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17 November 2008 @ 01:06 am
 
Titel: Amphitruo
Autor: Plautus
Sprache: Lateinisch/Deutsch
Gattung: Drama
Genre: Tragikkomödie
Entstehungsjahr: ca. 190 v. Chr.
Epoche: vorklassische Zeit

Handlung:

Der Stoff kommt aus der antiken Mythologie. Die Sage des Amphitryon wird aufgenommen und zwar der Teil, als Zeus beschließt in Form des Amphitryon sich mit dessen Frau Alkmene zu vergnügen. Der Stoff ist ursprünglich tragischer Natur; behandelt auch die Frage nach der Schuld, ob es nun Schuld auch gibt, wenn man ein Vergehen begeht, ohne es selbst zu wissen, dass man gerade dabei ist es zu begehen.

Im Stück des Plautus wird die Sage etwas abgewandelt. Zeus, hier Jupiter, hat seinen Sohn Hermes dabei, der ihm dabei helfen soll, ihm alle vom Leib zu halten, während er sich in einer durch seinen göttlichen Willen verlängerten Nacht mit der schönen Alkmene vergnügt. Auch Hermes schlüpft hierzu in eine andere Gestalt, und zwar der eines Dieners (Sosia) des Amphitryon, hier Amphitruo. Während die beiden Originale erst noch heimkehren müssen von dem gewonnen Krieg. Wie in einer richtigen Verwechslungkomödie treffen alle zeitversetzt aufeinander und auch die Originale und die Kopien bleiben nicht voreinander verschont. Nach langem hin und her und her und hin löst Zeus in seiner Gnade aber das Verwechslungsspiel auf und die beiden Eheleute versöhnen sich wieder.

Alkmene ist schwanger - nun von beiden, ihrem Mann und dem Göttervater - und gebiert schließlich Zwillinge, wobei der eine Sohn des Zeus ist und zwar ein ganz berühmter, nämlich Herkules. Der andere, Iphikles, ist Sohn des sterblichen Amphitruo.


persönlicher Zugang:

Der Text hat mich überraschender weise erheitert. Die Übersetzung ist teilweise sehr derb und brutal (Beispielsweise die Szenen zwischen dem tatsächlichen Diener des Amphitruo und dem in ihn verwandelten Hermes; auch die Szenen zwischen dem verkleideten Hermes und dem echten Amphitruo sind in ihrer in ihr dargestellten Grobheit überaus amüsant). Erstaunlicherweise ist es eine der wenigen Verwechslüngskomödien bei der ich nicht vor Frust über tausend Missverständnisse wahnsinnig wurde, im Gegenteil. Besonders die Fragen und Thesen und auch die Analyse um welche sich Sosia bemüht zu beweisen, dass er tatsächlich er selber sei sind überaus belachenswert.
alles in allem erinnert die Tragikkomödie auch schon stark an die Typen der commedia dell'arte. Der alte geile Bock = Zeus; ein scheinbar trotteliger Diener, der aber gar nicht so dumm ist wie es erst den Anschein hat = Sosia; und das ewige Thema der Buhlschaft mehrerer Männer um eine Frau;


die Übersetzung auf zeno.org ist übrigens tausendmal flüssiger und witziger als die von der zweisprachigen Reclam-Ausgabe, die ist nämlich dröge.